Filme im September 2007
Dienstag, 25.09.2007 um 20.00 Uhr
Freitag, 28.09.2007 um 21.00 Uhr
Rom. Offene Stadt.
(Italien, 1945)
Rom, offene Stadt ist ein italienischer Spielfilm aus dem Jahr 1945. Er wurde noch während des Krieges vorbereitet und ist ein Vertreter des italienischen Neorealismus.
Geschildert werden die Aktivitäten einer römischen Widerstandsgruppe während des Zweiten Weltkrieges. Ihre Mitglieder geraten dabei ins Visier der Gestapo und werden wenig später gefasst, die Verlobte eines Mitglieds dabei auf offener Straße getötet. Der Widerstand befreit zwei von ihnen, eine enttäuschte Liebhaberin verrät sie jedoch erneut. Ein ranghoher Führer der Gruppe kommt bei den anschließenden Folterungen ums Leben, ein Priester wird hingerichtet.
Basierend auf miteinander verbundenen Episoden werden mehrere Charaktere dargestellt, so die verschiedenen Mitglieder des Widerstands, von denen einer eine Beziehung zu einer verwitweten Mutter hat, die er zu heiraten plant. Der Priester sieht die Unterstützung als Erfüllung seiner Glaubespflicht an. Es treten verschiedene Polizisten auf, die zum Teil mit den Deutschen zusammenarbeiten, zum Teil einfach nur ihre Arbeit machen wollen. Auch die Deutschen werden differenziert dargestellt. Der örtliche Leiter der Gestapo verachtet die minderwertigen Italiener, ein anderer Offizier erkennt, dass das Verhalten der Deutschen nur Hass und Widerstand schürt. Dass die Widerständler gefasst werden, liegt schließlich nur an der Kollaboration ihrer Landsleute, die aus finanziellen Gründen oder weil sie sich an den Männern rächen wollen mit den Besatzern zusammenarbeiten.
Das Drehbuch entstand unter Mitwirkung von Federico Fellini. Es basiert auf tatsächlichen Ereignissen, die Roberto Rossellini in einem sehr sachlichen, dokumentarischen Stil verfilmte. Der Film bildete den Auftakt zu Rossellinis Neorealistischer Trilogie (siehe auch Paisà, 1946 und Deutschland im Jahre Null, 1948)
Von den Schauspielern des Ensemble-Filmes ist aus heutiger Sicht lediglich Anna Magnani bekannt, für die der Film den Grundstein ihrer Weltkarriere darstellte.
Weil nach der damaligen Einschätzung der FSK "‚völkerverhetzende’ Wirkungen" zu befürchten waren, war die Vorführung des Films von 1950 bis 1961 in der Bundesrepublik Deutschland verboten.
:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
Dienstag, 11.09.2007 um 20.00 Uhr
Freitag, 14.09.2007 um 21.00 Uhr
Ostatni Etap
(Polen, 1948)
Die letzte Etappe (Ostatni Etap) ist ein polnischer Spielfilm aus dem Jahre 1948. Es ist der erste Spielfilm der Dokumentarfilmerin Wanda Jakubowska und der erste Spielfilm der Filmgeschichte, der das Leben im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zum Thema hat. Wanda Jakubowska überlebte in Auschwitz eine mehrjährige Haft bis zur Befreiung durch die Rote Armee. Das Drehbuch basiert auf ihren Erlebnissen und denen anderer Frauen.
Der Film erzählt das Schicksal mehrerer Frauen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Im Krankenlager formen Frauen eine kleine Zelle von Widerstandskämpferinnen. Die polnische Jüdin Marta Weiss kommt mit ihrer Familie ins Lager Auschwitz-Birkenau und arbeitet für den Lagerkommandanten als Übersetzerin, während ihre Familie ermordet wird. Marta hilft anderen Mitgefangenen und engagiert sich in der kleinen Widerstandsgruppe. Helena versteckt in der Krankenstation die französische Gefangene Michèle. Eugenia ist eine russische Ärztin, die den Kranken hilft und unter dem Verdacht des Widerstandes gefoltert und ermordet wird. Die deutsche Kommunistin Anna wehrt sich ebenfalls gegen die sadistischen Ärzte im Krankenlager und kommt dafür in Bunkerhaft. Kurz vor der Befreiung des Vernichtungslagers durch die Rote Armee versucht Marta aus dem Lager zu fliehen, wird dabei gefasst und zum Tode verurteilt. Die Rote Armee befreit schließlich das Lager. Der Film endet mit den Worten der sterbenden Marta an die russischen Soldaten: „Erlaubt nicht, dass Auschwitz sich wiederholt!“
Der Film benutzt dokumentarische Originalaufnahmen, die von Filmoffizieren der Roten Armee gedreht wurden. Die Dreharbeiten fanden 1947 an Originalschauplätzen statt. Der Film erlebte seine Uraufführung am 28. März 1948. Regieassistent von Wanda Jakubowska war bei diesem Film der spätere Starregisseur Jerzy Kawalerowicz.

interessanter film, gerade weil er so anders ist als die anderen. damit meine ich nicht den dreh in schwarz-weiss. es ist eher die ungewohnte (über)dramatik: sekundenlang offene münder, erschrockene blicke, nachdenkliches schweigen. diese überraschung unterstützt allerdings die distanz herzustellen, durch die man dran erinnert wird, dass es sich zum teil um auschwitzüberlebende handelt. das hatte ich zwischendurch vergessen, weil man das auch nicht gewöhnt ist. und dann hält man die wirklichen überlebenden einen moment für unauthentischer als die gespielten.
Comment by brit — September 20, 2007 @ 11:03 pm
[b]zu rom, offene stadt:[/b]
wieder ein in film in schwarz-weiss. der neo-realismus, den ich vorher vom begriff her nicht kannte, ist dem sozialistisch-kommunistischen realismus ein diskursiver weggefährte. die treppenszene (die baldigen eheleute reden über den krieg und ire angst vor den deutschen und über gesellschaftliche utopien, durch die sie hoffen) ist mir im gedächtnis eingebrannt, obwohl sie vom setting so “banal” ist. im nachhinein, in den überlegungen, was wohl den neo-realismus ausmacht, fielen mir mehr und mehr szenen ein, in denen das ambiente, zb. die kirche, die häuser an der strasse, der bäcker, das gestapo-quartier gar nicht im ganzen zu sehen war. damit wird auch der symbolische charakter von architektur nicht genutzt. nur die menschen bleiben. …so wie sie sich wahrnehmen, auf sich konzentriert. die italienische sichtweise, besser gesagt, die italienischer kommunistInnen, ähnelt , jedenfalls in der filmischen darstellung, der “deutschen”. was in dem moment entfällt, ist die thematisierung der schicksale in konzentrationslagern, vor allem jüdischer opfer. ein deutscher film hätte sich das nicht erlauben können.
Comment by brit — October 3, 2007 @ 10:04 pm