Freitag, 16.11.2007 um 19.00 Uhr
Mein Vater der Massenmörder
Diskussion und Film mit und von Beate Niemann
"Der gute Vater. Eine Tochter klagt an"
Ein ganzes Jahr lang hat der Dokumentarfilmer Yoash Tatari Beate Niemann bei ihrer Arbeit begleitet. Ihr Vater, der Ausgangspunkt ihrer Spurensuche, hatte nach der Verschleppung aus Westberlin 1947 den Rest seines Lebens in einem DDR-Gefängnis verbracht. Bei dem Versuch ihn zu rehabilitieren, war Beate Niemann nicht auf die erwartete Geschichte vom "armen unschuldigen Vater" gestoßen. Was sie Stück für Stück zu Tage förderte, war die Biographie eines Massenmörders, der sich aktiv an den Verbrechen im Nationalsozialismus beteiligt hatte.
Die Aufdeckung von Täter_innenbiographien, so wie es von Beate Niemann gemacht wurde, stellt leider immer wieder einen Tabubruch für die "bequeme" Geschichtsaufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus dar. Sie macht deutlich, dass Nazis eben nicht irgendwelche Eliten waren, der die deutsche Bevölkerung zum Opfer fiel, sondern dass ganz normale Menschen bereitwillig zu Massenmördern, Mitwissenden und überzeugten Nazis wurden und so das nationalsozialistische Gesellschaftssystem mitgetragen haben und formten.
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Freitag, 30.11.2007 um 21.00 Uhr
Deutschland im Jahr Null
(Italien, 1948)
Deutschland im Jahre Null ist der dritte Film aus einer Neorealismus-Trilogie von Roberto Rossellini. Der Film zeigt die Geschichte eines 12-jährigen Jungen, der sich im Nachkriegsdeutschland in einer Welt, die durch Hunger und Überlebenskampf geprägt ist, um den Lebensunterhalt seiner Familie kümmern muss. Der Film wurde im Sommer 1947 im zerbombten Berlin gedreht.
Dem Film sind gesprochene Erläuterungen des Regisseurs vorangestellt. Rossellini erklärt, dass es ihm mit dem Film allein um eine objektive Bestandsaufnahme zu der Situation im Berlin des Jahres 1947 gehe. Zuletzt fügt er noch hinzu:
„Sollte jedoch jemand glauben, nachdem er diese Geschichte von Edmund Köhler miterlebt hat, es müsste etwas geschehen, man müsste den deutschen Kindern beibringen, das Leben wieder lieben zu lernen, dann hätte sich die Mühe desjenigen, der diesen Film gemacht hat, mehr als gelohnt.“
Edmund hat Arbeit beim Gräber-Ausheben auf einem Friedhof. Da er langsamer schaufelt als die erwachsenen Arbeitskräfte, fällt er auf. Es kommt heraus, dass er keine „Arbeitskarte“ hat, und er muss den Friedhof verlassen.
Auf dem Heimweg sieht er ein Pferd auf der Straße liegen, das offenbar soeben verendet ist. Sofort haben sich etliche Leute um das Tier versammelt. Einer schneidet an dem Tierkadaver herum, um an ein Stück Fleisch zu gelangen.
Zuhause angekommen erfährt Edmund, dass es Probleme mit den Stadtwerken gibt. Der Vertreter der Stadtwerke, der ins Haus gekommen ist, lässt sich jedoch mit kleinen Geschenken zu einem nachsichtigen Verhalten überreden.
Der Hauseigentümer Rademacher übergibt Edmund eine Waage, damit er sie auf dem Schwarzmarkt verkauft. Edmund gerät damit an einen Händler, der betrügerische Absichten hegt. Zuletzt hat er statt der gewünschten 300 Mark nur zwei Konservendosen bekommen und wird von Rademacher beschuldigt, das Geld unterschlagen zu haben.
Rademacher beklagt sich darüber, dass Edmunds Vater in der Nacht oft stöhnt: „Das dauernde Gejammer und Gewimmere von deinem Vater … Warum verreckt der nicht - damit wir unsere Ruhe haben.“
Edmund begegnet seinem ehemaligen Lehrer Enning. Dieser sucht körperlichen Kontakt zu Edmund. Doch der Knabe erkennt nicht, dass Ennings Interesse sexuell getönt ist und bleibt ihm gegenüber bei einer naiv-vertrauensvollen Grundhaltung.
Edmund bekommt von Enning eine Schallplatte mit einer Rede von Hitler ausgehändigt. Er soll die Schallplatte zur Reichskanzlei tragen und dort an Soldaten der Alliierten verkaufen. Das gelingt ihm auch; von dem Erlös kann er zehn Mark behalten.
Anschliessend trifft er seine Freunde Jo und Christel. Auch diesen gegenüber muss er auf der Hut sein. Ein angebliches Stück Seife, das er von Jo verkauft bekommt, stellt sich als eine Verpackung ohne Inhalt heraus.
Ein Arzt wird zum kranken Vater gerufen und diagnostiziert Herzschwäche und einen schlechten Allgemeinzustand. Er überweist ihn in ein Krankenhaus. Dort bekommt der Vater nach langer Zeit mal wieder ordentliches Essen.
Als man den Vater aus dem Krankenhaus zurückerwartet, wendet sich Edmund mit der Bitte um Hilfe an Enning und bekommt von diesem folgenden Rat: „Um ihn am Leben zu erhalten, könnt ihr doch nicht alle verhungern. […] Schau dir die Natur an. Die Schwachen werden vernichtet, damit die Starken bleiben. Man muss eben den Mut haben, die Schwachen verschwinden zu lassen. Darüber musst du dir klar sein, mein Junge. Es geht darum, dass wir uns retten.“
Der Vater ist wieder im Haus der Familie. Es gibt kaum was zu essen für ihn, nur ein paar Kartoffeln. Edmund bereitet dem Vater einen Tee, in den er etwas von einem Gift mischt, das er an sich genommen hat, als er den Vater im Krankenhaus besucht hat. Der Vater trinkt den vergifteten Tee und stirbt bald darauf. Die Mitbewohner, die sich an seinem Totenbett versammeln, kommen zu dem Ergebnis, dass er verhungert sei.
Edmund geht zu Enning und erklärt ihm: "Ich habe es getan." Als dem Lehrer klar wird, dass Edmund den Vater ermordet hat, packt ihn die Sorge, er könnte als Anstifter angeklagt werden. Er distanziert sich heftig von Edmund und nennt ihn ein Ungeheuer. Gleich darauf erklärt er jedoch: "Wir werden schon einen Weg finden." Edmund jedoch läuft erschreckt davon.
Er läuft durch die Straßen von Berlin. Als er versucht, sich einer Gruppe von Fußball spielenden Kindern anzuschließen, wird er abgewiesen. Für längere Zeit hält er sich in einer Ruine auf, die dem Wohnhaus seiner Familie gegenüberliegt. Er sieht und hört, dass die Schwester nach ihm ruft, antwortet jedoch nicht. Der Zuschauer hat zu diesem Zeitpunkt bereits in Andeutungen erfahren, dass er mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen.